MacTarbh

Sonntag, 12. Februar 2017

"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?" (Mt. 5, 13a)

Friede sei mit Euch und Gnade von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!

Liebe Brüder und Schwestern!

Seit einiger Zeit (genauer gesagt, seit letztem Sonntag, wo dieser Vers zum Tagesevangelium gehörte) geht mir dieser Bibelvers durch den Kopf und ich muss gestehen, dass es etwas gedauert hat, bis ich ihn verstanden habe. Um das zu verdeutlichen, stelle ich mal eine Frage an die Köche und Hausfrauen unter Euch: Wie schaffe ich es, Salz gewissermaßen zu entsalzen? Wie bekomme ich es hin, dass Salz seinen Geschmack verliert? Gut, manche unter Euch werden jetzt vielleicht meinen, man müsse Salz einfach auflösen. Doch ich denke, dass das zu kurz gedacht ist, denn dann schmeckt man das Salz ja immer noch.

Die Lösung ist letztlich ganz einfach: Es ist absolut unmöglich, Salz quasi schal werden zu lassen. Man kann aus physikalischer Sicht Salz schlichtweg nicht seinen Geschmack verlieren lassen und/oder ihm selbigen zurückgeben. Ok, so weit, so gut. Doch damit gehen die Probleme noch weiter. Jesus hat sicherlich gewusst, dass Salz nicht seinen Geschmack verlieren kann. Aber was hat er dann damit gemeint?

Nun, ich denke, um das zu verstehen, muss man weiter zurückgehen. Die Mittelalterfreunde unter Euch wissen natürlich, dass Salz im Mittelalter sehr kostbar war. Wer den Salzhandel beherrschte, hatte quasi die Lizenz zum Geld drucken. Man denke nur an die Geschichte meiner Heimatstadt München, wo Herzog Heinrich der Löwe im Jahr 1158 die Isarbrücke des Bischofs von Freising abfackeln ließ, damit die Salztransporte einen Umweg über seine Isarbrücke machen und dort die Zölle entrichten mussten. Auch zahlreiche Ortsnamen, wie Bad Reichenhall, Salzburg oder Schwäbisch Hall zeugen noch von der einstigen Bedeutung des Salzes. Aber auch damit kommen wir nicht recht weiter, sodass wir noch weiter in der Weltgeschichte zurückgehen müssen und zwar bis in die Zeit des Alten Testamentes.

Dort nämlich wird das Salz dem Bereich Gottes zugeordnet. In einer Zeit, in der man noch keine Kühlschränke hatte, wurde das Salz dazu benutzt, um beispielsweise Fleisch haltbar zu machen. Somit blieb es erhalten und konnte nicht verwesen. Dadurch entstand die Vorstellung, dass das Salz auf Dauer lebenserhaltend wirkt, weshalb man beispielsweise Neugeborene mit Salz eingerieben hat (vgl. Ez. 16,4). Bei keinem Opfer durfte Salz daher fehlen und so wurde sichtbar gemacht, dass ein Salzopfer Leben mit Gott verbindet. Man kannte damals auch den "Salzbund", d. h. zur Bekräftigung eines Bundes verzehrte man miteinander Salz.

Wenn also Jesus davon spricht, dass wir als Salz der Erde salzlos werden, dann ist damit gemeint, dass wir uns aus freien Stücken von Gott entfernen können. Das geschieht nicht, weil Gott seine Zusage zurücknimmt, sondern weil wir die Freiheit haben, uns auch gegen Gott zu entscheiden.

Rabbi Josua ben Chananja (um ca. 90 n. Chr.) wurde einst gefragt, wie man denn salzloses Salz wieder salzig machen könne. Seine Antwort: "Mit der Nachgeburt einer Mauleselin". Eine Mauleselin ist bekanntlich unfruchtbar und hat somit keine Nachgeburt.

Eine Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu bleiben, ist beispielsweise tägliches Gebet. Wer betet, begibt sich in die Gegenwart Gottes bzw. nimmt zu ihm Kontakt auf. Er ist an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar.

BTW: An anderer Stelle habe ich schon mal darauf hingewiesen, dass Gott sogar eine Telefonnummer hat. Sie lautet 5015. Wie das gemeint ist? Ganz einfach: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen." (Ps. 50, 15 LÜ).

Amen!

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXVII

Sonntag, 8. Januar 2017

Desiderata

Liebe Brüder und Schwestern!

Vorab wünsche ich Euch allen für das neue Jahr Gottes reichen Segen! Möge der Herr allezeit mit Euch sein!

Das ging jetzt wirklich sehr schnell. Die Weihnachtszeit ist wie im Flug vergangen. Heute feiern wir das Fest "Taufe des Herrn", das aus liturgischer Sicht das Ende der Weihnachtszeit darstellt. Soeben habe ich auch meine Weihnachtskrippe abgebaut und ab morgen kehrt hier wieder der Alltag ein.

Gerade jetzt an Weihnachten wurde mir wieder schmerzlich bewusst, wie eng Freud und Leid doch beieinander liegen. Durfte ich an Heiligabend noch das Fest der Menschwerdung Gottes feiern und mich daran erfreuen, so erreichte mich am 1. Weihnachtsfeiertag die Nachricht, dass an Heiligabend meine Tante in Flensburg verstorben sei. Sie stand mir sehr nahe und erst im September 2016 durfte ich 10 wundervolle Tage mit ihr verbringen. Es war eine sehr schöne Zeit und nichts deutete darauf hin, dass wir uns in diesem Leben nicht mehr wiedersehen würden.


Sie möge in Frieden ruhen und das Ewige Licht leuchte ihr!

Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, nach Flensburg zu fahren und ihr die letzte Ehre zu erweisen. Obwohl der Anlass für ein Familientreffen natürlich sehr traurig war, war es einfach wunderbar, viele Familienmitglieder nach langer Zeit wiederzusehen und mit ihnen Gemeinschaft zu haben.

Über Tod und Trauer habe ich mich ja bereits an anderer Stelle ausgelassen, siehe auch hier: (klick mich). Von daher erspare ich mir und Euch die Wiederholung. Stattdessen bringe ich Euch das Gedicht "Desiderata", auch bekannt als "Lebensregel von Baltimore". Da steckt so viel Wahrheit und Weisheit drin. Lest es und vieles, was Euch vorher bewegt hat, wird Euch ziemlich unwichtig vorkommen. Aber lest selbst:

"Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast und denke daran, welcher Friede in der Stille sein mag.

Soweit wie möglich versuche mit allen Menschen auszukommen, ohne dich zu unterwerfen. Sprich deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Dummen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte. Vermeide laute und aggressive Personen, sie sind eine Plage für die Seele.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, dann magst du eitel oder bitter werden, denn es gibt immer größere und geringere Menschen als du. Freue dich über deine Erfolge und Pläne. Nimm deine Arbeit ernst, aber bleibe bescheiden; es ist ein wirklicher Besitz in den wechselnden Geschicken des Lebens.

Sei vorsichtig mit geschäftigen Dingen, denn die Welt ist voller Listen. Aber sei nicht blind für das Gute. Viele Menschen streben nach hohen Idealen und überall ist das Leben voller Größe.

Sei du selbst. Besonders heuchle keine Zärtlichkeit. Sei aber auch nicht zynisch in Bezug auf die Liebe. Denn angesichts aller Trockenheit und Entzauberung ist sie wiederkehrend wie das Gras.

Nimm gütig den Rat der Jahre an und lass mit Anmut die Dinge der Jugend hinter dir. Nähre die Stärke der Seele, um im plötzlichen Unglück nicht schutzlos zu sein. Aber beunruhige dich nicht mit Grübelein. Viele Ängste werden aus Erschöpfung und Einsamkeit geboren. Abgesehen von einer gesunden Disziplin sei milde mit dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht hier zu sein.

Und ob es dir klar ist oder nicht, kein Zweifel, das Universum entfaltet sich wie es soll. Deshalb sei in Frieden mit Gott. Wie immer du ihn dir auch vorstellst und was immer deine Mühe und Ziele sein mögen in der lärmenden Verwirrtheit des Lebens, halte Frieden mit deiner Seele. Mit all ihrem Schein, der Plagerei und den zerbrochenen Träumen ist es doch eine schöne Welt.

Sei achtsam und versuche glücklich zu werden."


Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXVII